Bericht zum 50-jährigen Vereinsjubiläum aus der NRZ/WAZ

"30 000 begeisterte Menschen standen an den Hängen und Pisten."

 

Diesen legendären Satz hätte der berühmte Sportkommentator Heinz Maegerlein im Jahre 1958 auch auf der Moto-Cross-Strecke am Eyller Berg in Kamp-Lintfort sagen können. Exakt so viele Rennfans waren damals gekommen, um die rasenden Piloten in ihren knatternden Kisten bei der Rennveranstaltung des ADAC Motorclubs Kamp-Lintfort zu verfolgen.

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Der 14-fache Deutsche Meister Adolf Weil aus Solingen 1969 auf seiner MAICO am Eyller Berg

Heute unvorstellbar

Aber: Der Verein aus der Zechenstadt ist im "zarten" Alter von 50 Jahren lebendig wie eh und je und freut sich schon jetzt darauf, dass sich am 1. Mai 2001 die Startflagge zur 50. Auflage des beliebten Motorsportspektakels senkt. Autor Roland Beyer und seinen Mitstreitern ist es zu verdanken, dass Freunde und Mitglieder des Vereins pünktlich zum Jubiläum eine umfassende Chronik in den Händen halten.

Sie berichtet über 50 Jahre, die es wahrlich in sich hatten. Nachdem sich kurz nach dem 2. Weltkrieg bereits ein Vorläufer des heutigen Klubs gebildet hatte, wurde 1950 der ADAC Motorclub ins Leben gerufen. Hans Hahnen hieß der erste 1. Vorsitzende.

Das Interesse der Öffentlichkeit weckte der Verein erstmals ein Jahr später, als man den Straßenwettbewerb "Rund um Friedrich Heinrich" für Motorräder und Motorräder mit Seitenwagen veranstaltete. Da Straßenrennen jedoch fortan an den "riesigen Kosten" scheiterten, konzentrierten sich Hahnen und Co. auf Bahnveranstaltungen, wobei zunächst die Pferderennbahn unterhalb des Klosters Kamp am 29. Juni 1952 Austragungsort eines Grasbahnrennens war.

Die Bilanz laut Chronik: rund 6000 Zuschauer, Sonnenschein, zwei Leichtverletzte. Knapp ein Jahr später war es dann soweit: Am 1. Mai 1953 fand der 1. Moto-Cross auf dem bis dahin brachliegenden Eisenbahngelände am Eyller Berg ging über die Bühne.

Das Gelände war zuvor von einem gewissen Paul Heiermann und seinen Helfern in mühevoller Handarbeit so gestaltet worden, dass ein in Deutschland einmaliger, 910 Meter langer Rundkurs mit Sprunghügeln entstand, der den Bedürfnissen des rasanten Sports genügte.

49 Fahrer nutzten damals die Gelegenheit, den 10 000 Zuschauern ihr Können zu demonstrieren. Die Besucherzahlen stiegen in den kommenden Jahren stetig an, die Begeisterung für den Sport war in Kamp-Lintfort und Umgebung riesengroß. In den 60er Jahren hatte man durch das immense Interesse genügend finanzielle Mittel, um die deutsche Elite der Moto-Cross- und Geländefahrer und auch ausländische Stars zu verpflichten. So gelang es, über Jahre hinweg Sport auf höchstem Niveau zu präsentieren und die Zuschauerzahlen bei 12- bis 15 000 zu konservieren - und das, trotz des aufkommenden Fernsehens und zahlreicher neuer Freizeitaktivitäten.

Nachdem die 70er aus sportlicher Sicht die beste Zeit des Vereins darstellten, standen die 80er im Zeichen nachlassenden Zuschauerinteresses und des Nachdenkens über den Umweltschutz. Wichtige und umtriebige Macher im Verein damals: Vorsitzender Wilhelm Bosch und Rennleiter Heinz Teborg. Wenn am 1. Mai 2001 erneut die schnellen Männer über die Sprunghügel rasen, ist das vielleicht das letzte Mal. Auch aufgrund der Trassenplanung für einen neuen Autobahnzubringer ist der Motorclub gezwungen, mit Unterstützung der Stadt Kamp-Lintfort in naher Zukunft für eine Alternative zur alten Rennstrecke am Eyller Berg zu sorgen. Als neue Piste nach Gesprächen einer Arbeitsgruppe im Gespräch: die Halde Rossenray längs der B 510.

Der heutige 1. Vorsitzende Hans-Josef Albeck in seinem Grußwort der Vereinschronik: "Ich wünsche mir, dass wir auch nach Fortfall unserer beliebten Rennstrecke durch den Bau der B 528 unsere Veranstaltung in Zukunft an anderer Stelle hier in der Stadt austragen können und somit die Tradition weiter aufrecht erhalten." Der weitere aktuelle Vorstand des Vereins, der seit 1998 im Klubraum am Terhardtshof eine zentrale Anlaufstelle für alle Mitglieder und Gäste besitzt: stellvertretender Vorsitzender Gerd Bernhardt, Geschäftsführer Rolf Fenger, Schatzmeister Jörg Kamps, Sportleiter Ralf Janßen.

Aktualisierung: 17.10.2007 - 13:50 / Redakteur: Roland Beyer
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