"Habe nichts verlernt"

2009 will Ralf Hoormann seinen Titel verteidigen

Über 25 Jahre nach seinem ersten Titel im Motorsport steht Ralf Hoormann wieder auf dem Siegerpodest. Eigentlich hatte das Mitglied des ADAC Motocrclubs Kamp-Lintfort seine überaus erfolgreiche Motosportlaufbahn 1998 beendet.

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(Foto: Wolfgang Nitsche) Ralf Hoormann auf seiner Siegesfahrt beim Finale im Eifelörtchen Kempenich. Er hält das Gas weit offen und die Brocken fliegen: Denn so schnell verlernt man nichts.

Dass Ralf Hoormann sich schon in jungen Jahren für den Motorsport begeistert hatte, war fast unvermeidlich, denn sein Vater pflügte bei den in den 70-er Jahren sehr beliebten Autocross-Rennen über die Pisten.
Das Motocross mit den Seitenwagen, wie Ralf es von den Rennen am Eyller Berg kannte, gefiel ihm aber wesentlich besser. Hier konnte der junge Sevelener als Beifahrer anheuern und so kostengünstig Motorsport betreiben.

Trotz großen Talents gab es anfangs nur blaue Flecken und viele Beulen. Doch Hoormann hatte das nötige Stehvermögen um die Startschwierigkeiten zu überstehen.

Der erste Titel ließ nicht lange warten. Mit der Deutschen Amateurmeisterschaft war der Grundstein für eine Motocrosskarriere gelegt. (Siehe Box.)

Erster Kontakt zu den Quads in Italien

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Bereits 1989 hatten die Quads am Eyller Berg den ersten Auftritt. Nicht nur zum Bedauern von Ralf Hoormann gab es mit Ausnahme von 2005 am Eyller Berg keine Quadklasse mehr. Der Club von Euskirchen hält schon seit Jahren am 1. Mai als Termin für die Meisterschaftsrennen der Vierräder fest.

Der erste Kontakt zum damals neuen Quad-Motocross hatte der Beifahrer 1989 bei einem Rennen in Italien und fand sofort gefallen an den vierrädrigen Vehikeln. So reifte der Entschluss sich vom Posten des „Schmiermaxen“ zu verabschieden und selbst den Gasgriff in die Hand zu nehmen. Dabei hat Ralf Hoormann ab 1992 wie kein anderer die Quadszene in Deutschland als Organisator mit aufgebaut, als Sportler geprägt und in den folgenden Jahren einen echten Boom ausgelöst.
1998 war dann Schluss mit dem Motorsport, denn Ralf Hoormann beendete seinen Dienst bei der Bundeswehr. Hier war er von 1985 bis 1998 Mitglied der Sportkompanie, die für ihn, wie für viele andere Spitzensportler, eine gute berufliche Basis für ein erfolgreiches Sportengagement war.

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Gerd Bernhardt gratuliert Ralf Hoormann zum Sieg im Deutschen Quad-Enduro-Pokal. Der mehrfache Deutsche Meister im Seitenwagen-Motocross konnte im Alter von 44-Jahren einen weiteren Erfolg in seiner langen Motorsportlaufbahn erkämpfen

Als innerhalb vier harter Jahre der Sprung in die Selbständigkeit als Garten- und Landschaftsbauer geglückt war, juckte es dem Gelderner wieder in den Fingern.

Motiviert durch Clemens Eicker, der in Rayen eine Quad-Manufaktur betreibt, ging es dann im Februar 2002 zu Europas größtem Strandrennen ins französische Le Touquet. Bei dieser Vollgasfahrt mit über dreitausend Teilnehmern zeigten sich Fahrer und Material dem Dauerstress gewachsen, so dass der Einsatz im folgenden Jahr wiederholt wurde. „Da kam der Punkt, an dem es mich wieder gepackt hat“, erinnert sich Hoormann.
Von Clemens Eicker bekam er eine E.-ATV, wie die Eigenkonstruktionen mit KTM-Motor heißen. Und seitdem ist Ralf Hoormann wieder auf den Rennstrecken unterwegs, wie auch beim legendären Langstreckenrennen von Pont de Vaux. In der Nähe von Lyon fahren 120 Teams mit bis zu drei Fahrern abwechselnd auf nur einem Quad 12 Stunden auf einem Rundkurs von vier Kilometern.

Eine neue Herausforderung tat sich überraschend mit Beginn der Saison 2008 auf. Clemens Eicker baut nicht nur Quads für das Motocross, sondern auch Sportgeräte mit einer Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr.

Die wird unter anderem auch von den Sportlern benötigt, die beim Deutschen Enduro Quad Cup an den Start gehen.

Als beim E.-ATV-Team kurzfristig ein Fahrer absagte, brauchte Teamchef Eicker nicht lange bitten und Hoorman stellte sich spontan der neuen Aufgabe.

Im Sprint hat der Motocross-Veteran noch genügend Potential und überraschte als Unbekannter in der Enduro-Szene die Konkurrenz.

Nach fünf Wettbewerben in allen Teilen Deutschland fuhr der 44-Jährige mit knappen Punktevorsprung zum Finale in den Eifelort Kempenich. Hoormann wusste seinen „Heimvorteil“ zu nutzen und hielt am Abend den Siegerpokal in Händen und der Titel ging dann auch an das Team in Rayen. Auf den überraschenden Erfolg angesprochen, sagte der Quadpionier: „So schnell verlernt man nichts.“
Wie es 2009 weitergeht ist bis heute noch unsicher. Eigentlich wollte der Quadchampion auch an der Europameisterschaft teilnehmen, die mit ihren Marathonetappen fast den Charakter einer Rallye hat. Aber ein Loch im Buget von 8.000 Euro und fehlende zusätzliche Sponsoren lassen Ralf Hoormann noch zögern, die neuen Abenteuer unter die Räder zu nehmen. So peilt der Mann vom Motorclub, auch zur Freude von Clemens Eicker, zumindest seine Titelverteidigung an.

Aktualisierung: 11.04.2009 - 13:51 / Redakteur: Roland Beyer
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Erfolgreiche Jahre bei den Seitenwagen

Ralf Hoormann und Walter Netterscheid

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Gut für drei Deutsche Meistertitel und die Vize-Weltmeisterschaft: Ralf Hoormann mit Walter Netterscheid

1985 gab es eine kleine Revolution in der Sidecar-Welt, als die dicken Viertaktmotoren allmählich durch die immer leistungsfähigeren leichten 1-Zylinder-Zweitakter abgelöst wurden. Mit dieser Entwicklung stieg der Stern von Walter Netterscheid auf, der durch seine ruhige und überlegte Fahrweise das Potential der kleinen Motoren richtig zu nutzen wusste.
Zu dieser Zeit fand der Rheinländer sich mit Ralf Hoormann aus Sevelen zusammen, den er aus der gemeinsamen Zeit im Amateurlager kannte.

Sie holten 1985 bis 1987 drei Deutsche Meistertitel an den Niederrhein und mit Platz vier in der WM 1986 hatte die Paarung auch den Anschluss an die Weltspitze gefunden. Zwei Jahre später fuhr der Crosser vom Niederrhein mit dem Rheinländer dann die Vize-Weltmeisterschaft ein.

Mit diesem Erfolg ist Ralf Hoormann der beste Moto-Crosser, den unsere Region hervorgebracht hat.
Ausgerechnet ein Trainingsunfall mit einem Solomotorrad bremste die Karriere. Ralf Hoormann bemerkte die zwei angeknacksten Lendenwirbel erst, als die Schmerzen bei der Turnerei im Seitenwagen nicht nachließen.